LABORTHEMEN
MÄRZ 2026
Hauptthema des Monats: MUSIK
LABOR MUSIKALITÄT
Wenn wir Tango tanzen, tanzen wir zu Musik. Und ganz allgemein: nur in extrem seltenen Fällen wird überhaupt ohne Musik “getanzt”. Und wenn, dann läuft die Musik zumindest im Kopf des Tänzers ab (z.B. in Form von Rhythmus - einem wichtigen Element von Musik). Musik ist also nicht nur Kulisse, nicht nur ein vernachlässigbares Hintergrundrauschen unserer Lust zu tanzen. Musik ist die essenzielle Grundlage, Struktur und emotionale Quelle unserer tänzerischen Bewegung. Musik dient als Katalysator für den Körper, indem sie uns Rhythmus, Tempo und Stimmung (Atmosphäre) vorgibt, die uns zur tänzerischen Bewegung inspiriert.
Tanz ist Bewegung, die Musik sichtbar macht!
Wer das verstanden und verinnerlicht hat, wird unweigerlich anfangen, anders zu tanzen - anders tanzen zu wollen.
Um diesen Willen auch in die Tat umsetzen zu können, ist es mehr als nur sinnvoll, sich mit den Elementen der Musik auseinanderzusetzen, sie zu lernen, zu verstehen und sich anzueignen. Über die Jahre unserer Beschäftigung mit dem Tango lernen wir, unseren Körper zu kontrollieren, uns (möglichst ohne Unfälle) gemeinsam im Paar und durch den Raum zu bewegen. Als unverzichtbare Basis lernen wir dabei das Beweguns-Vokabular unseres wunderschönen Tanzes.
Um mit diesen hart erarbeiteten und erlernten Vokabeln nun nicht nur vor uns her zu stammeln, sondern ganze und sinnvolle Sätze bilden oder gar Gedichte verfassen zu können, sollten wir anfangen, auch dem anderen wesentlichen Bestandteil unseres geliebten Tanzes genauso viel Aufmerksamkeit zu schenken: der Musik.
Die Laborreihe zur tänzerischen Musikalität möchte euch daher behutsam in diesen anderen Bestandteil des Tangos einführen. Wir wollen euch einen Überblick über die Elemente der Musik geben, zu der wir tanzen, und uns der Frage stellen bzw. Möglichkeiten aufzeigen, wie wir diese musikalischen Elemente mit den von uns gelernten Bewegungen sichtbar machen können. Natürlich kann eine dreitägige Laborreihe das Thema nicht erschöpfend behandeln. Das Ziel des Labors wird daher sein, euch in das Thema einzuführen und einen Anfang zu machen, den ihr dann als Idee mit euch nehmen, weiter vertiefen und Schritt für Schritt in euren Tango-Tanz integrieren könnt.
Im Wesentlichen besteht Musik aus nur drei Bausteinen. Rhythmik, Melodik und Harmonik. Um mit diesen Bausteinen aber überhaupt etwas bauen zu können, benötigt man auch stabile Fundamente. In der Musik sind solche Fundamente Struktur und Dynamik.
Unsere Beschäftigung mit diesen Elementen der Musik teilen wir in dieser Laborreihe wie folgt auf:
Labor 16.03.2026: Struktur und Form
Fast jedes Musikstück - zumindest in der westlichen Musik-Hemisphäre - folgt einer beschreibbaren Struktur, einer wiedererkennbaren Form. Struktur in der Musik bezeichnet den formalen Aufbau, die Gliederung und Organisation eines Musikstücks. Sie ordnet musikalische Elemente wie Melodie, Harmonie und Rhythmus in Abschnitte, um Zusammenhalt, Spannung und eine klare Form zu schaffen. Daher wird die Struktur auch als „Form“ bezeichnet, welche die melodische und rhythmische Gestaltung in einen zeitlichen Ablauf bringt.
Struktur bzw. Form hilft sowohl Komponisten, Ordnung in ihre Ideen zu bringen, als auch Zuhörern, den musikalischen Verlauf zu verstehen. Der Aufbau eines Musikstücks - ganz gleich ob klassisch oder modern - ist aber auch für Tänzer von großer Bedeutung. Das Erkennen der musikalischen Strukturen ermöglicht es Tänzern, auf die Musik zu reagieren, Pausen zu machen (etwa beim Ende einer Phrase), die Dynamik zu ändern (etwa wenn ein neuer Abschnitt beginnt) oder andere Ausdrucksmittel des Tangos anzuwenden, um die musikalische Form nicht lediglich als Randerscheinung vorbeiziehen zu lassen, sondern als bedeutender Bestandteil der Musik zu atmen.
Im ersten Labor-Termin zum Thema Musikalität (für Tänzer) am 16.03.2026 werden wir uns daher - nach einer allgemeinen Einleitung - in die Struktur und Form der klassischen und modernen Musik einarbeiten, zu der wir Tango tanzen. Wir werden uns damit beschäftigen, Struktur bzw. Form eines Musikstücks zu erkennen, zu benennen, sowie Möglichkeiten ausarbeiten, die erkannte Struktur mit unseren tänzerischen Bewegungen sichtbar zu machen und sie so in unseren Tanz zu integrieren.
Labor 23.03.2026: Rhythmus
Als Grundlage musikalischen Ausdrucks ist ein weiteres Element nahezu unverzichtbar, und wenn es überhaupt etwas gibt, das wir durch unsere tänzerischen Bewegungen deutlich sichtbar machen können, dann ist es eben dies: Rhythmus.
Wenn wir Musik durch Bewegung sichtbar machen wollen, müssen wir zuallererst und vor allem Rhythmik hören, verstehen und selber umsetzen, d.h. mit unserem Körper nachvollziehen und veranschaulichen können.
Im zweiten Labor-Termin werden wir uns daher intensiver mit Themen musikalischer Rhythmik beschäftigen - im Allgemeinen und natürlich auch im Besonderen im Bezug auf den Tango.
Labor 30.03.2026: Musikalische Ebenen
Für Musiker bezeichnet Harmonie hauptsächlich das gleichzeitige Erklingen verschiedener Töne (Akkorde), die als wohlklingendes Ganzes wahrgenommen werden. Sie bildet das Fundament, das die Melodie (unter)stützt, und steuert durch Akkordfolgen (Harmonik) die Spannung und Entspannung in einem Musikstück.
Auch wenn für Tänzer die konkret gespielten Töne und damit die musikalische Harmonielehre nicht von größerer Bedeutung ist (wobei es natürlich überhaupt nicht schadet, sich damit auszukennen), so wird dieser harmonische Zusammenklang von Tönen, den wir Musik nennen, in den allermeisten Fällen durch ein Zusammenspiel verschiedener Instrumente (einschließlich der menschlichen Stimme) erzeugt.
Wer genau hinhört, wird sehr bald erkennen, das jedes einzelne Instrument (bzw. die Stimme eines Sängers) in einem Musikstück eigene melodische Motive, eigene rhythmische Phrasen, eigene Betonungen und Akzentuierungen spielt (bzw. singt), die erst durch das Zusammenspiel aller ein Ganzes ergibt. Dies gilt insbesondere für die klassische Tangomusik, weshalb sie von vielen als “besonders gut tanzbar” und “interessant” angesehen wird. Das gilt aber gleichermaßen auch für moderne Musik, zu der wir Tango tanzen.
Diese Verschiedenheit im Zusammenklang/-spiel haben wir “musikalische Ebenen” genannt, was unter Einbeziehung auch des Aspektes der Dynamik das Thema unseres dritten und letzten Labor-Termins sein wird. Wir werden uns damit auseinandersetzen, diese verschiedenen Ebenen der Musik zu hören und versuchen, sie durch unseren Tanz auszudrücken.
